Ein trauriger Abschied

Freudig stürmen die ersten Kinder schon auf mich zu – klatschen mir ein oder wollen eine Umarmung. Es ist Carmen und Jessis letzter Tag – ein spezieller Tag in der Fundación, der mit einem traurigen Abschied enden wird. Die beiden Volontärinnen müssen schon am morgen, als sie die ersten Kinder sehen, mit den Tränen kämpfen. Verständlich, immerhin haben sie monatelang eng mit den Kleinen zusammengearbeitet und eine Beziehung zu ihnen aufgebaut. Am Morgen gibt es zur Feier des Tages den leckeren Kuchen von Jessi als Z’Nini – die Kinder sind überglücklich! Nach den Hausaufgaben wird jedoch anstatt gespielt, sich verabschiedet. Alle Kinder umarmen die beiden, viele müssen weinen, wollen nicht, dass sie gehen, sagen danke und dass sie sie vermissen werden … Es tut mir sehr leid.

 

Heute gibt es für alle neue Zahnbürsten – die ich dank einer Spende der Zahnklinik in Bern, was meine Freundin Céline eingefädelt hat, mitbringen konnte. Einige Kinder flippten fast aus vor Freude. Sie wollten die Zahnbürsten fast nicht mehr in den Aufbewahrungsbehälter legen, waren begeistert über die Farbe oder die Form, oder wie neu sie halt ist … das war ein schöner Moment.

 

Beni hat eingeführt, dass er immer montags und freitags Musik mit den Kindern machen kann, in der Sala de los juegos. Die Kinder lieben das. Sie beeilen sich bei den Hausaufgaben, damit sie dann in die Musik können. Dort wird getanzt, gesungen und musiziert.

 

Auch der Nachmittag verläuft anders als gewöhnlich (wobei ich ja nun wirklich noch nicht genau weiss, was gewöhnlich bedeutet). Die Hausaufgaben werden früher abgebrochen (der Rest sollte zuhause erledigt werden) und der Nachmittag soll mit lustigen Spielen enden, bei denen die Kinder Preise gewinnen können. Alba übernimmt das Zepter und die Kinder haben grosse Freude, am Tanzen mit einer Tomate zwischen den Köpfen, am Wettlauf mit einem Löffel im Mund auf dem eine Limette ist oder am Limbotanzen.

 

Ich glaube an diesem Abend gingen alle mit gemischten Gefühlen nach Hause. Es war ein schöner und glücklicher Tag für die Kinder, mit dem Kuchen, dem Eis, den Spielen, den Preisen und den neuen Zahnbürsten. Aber auch ein trauriger Abschied von den beiden Volontärinnen, die sie sehr ins Herz geschlossen hatten.

 

Am Abend fand in unserer WG die Abschiedparty statt. Alle brachten etwas zu essen mit. Es wurde festlich gespiesen und dann bis zum Morgengrauen getanzt. M und S sind auch lokale DJ's – wenn ich das richtig verstanden habe. Sie sind mit der ganzen Ausrüstung gekommen und haben tolle Stimmung gemacht. Der kleine Said hat mir ein bisschen leid getan, er wollte verständlicherweise nicht tanzen, und war sichtlich müde. Seine Oma hätte gegen 10 Uhr mit ihm gehen sollen … ich glaube etwas vor Mitternacht gingen sie dann. Um ihn ein bisschen abzulenken, habe ich mich zu ihm aufs Sofa gesetzt und ein bisschen mit ihm geplaudert – sowie ihm ein Trick mit einer Schnur beigebracht, woran er sehr Freude hatte. Langsam öffnete sich der schüchterne Said ein bisschen und fragte auch mich aus, wo ich schon gereist sei, wie es bei mir daheim aussehe, was meine Lieblingsmusik sei, ob ich gerne Hunde hätte, was ich arbeiten würde … und er erzählte mir, dass er eine kleine Schwester habe, die jedoch bei der Mutter in einem anderen Teil von Ecuador lebe … er lebe hier mit der Oma … er sei von da weg gegangen nach einem Angriff von einem Hund – er zeigte mir die schlimme Narbe an seinem Bein. Das arme Kind ist wohl fast zerfleischt worden von diesem Hund. Er schaue gerne Trickfilme und spiele am liebsten Fussball.

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Rosmarie Clausen (Donnerstag, 17 März 2016 10:23)

    Saluti Stefanie
    Der Blog ist frei von der Leber weg, die Stimmung spürt man, die Begeisterung reisst mit.
    Das "Warum" ist ok...aber die PH runtermachen... schimpfe, schimpfe...haha
    Freue mich auf weiter Einträge!