Schweizer-Jass und Rock-Konzert


Hier wird auch am Samstag gearbeitet ;-) Also Alba und Marco arbeiten wahrscheinlich sowieso rund um die Uhr in ihrem Projekt. Aber dass ich am Samstag arbeite, habe ich so gewollt. Es gibt einige Kinder, die ziemlich Probleme in der Schule haben, z. B. noch nicht lesen und schreiben können, obwohl das alle anderen auf ihrer Stufe schon können, oder nicht rechnen können, weil der Lehrer alle Zeit und Energie nur für Sprache aufwendet und dann gibt es solche, die das Jahr nicht bestehen werden, wenn sie sich nicht mehr anstrengen bzw. ziemlich etwas unternehmen. Während unserer Wochenstunden haben wir keine Zeit, diese Kids noch speziell zu unterstützen. Sie müssten sich noch Nachhilfe ausserhalb des Tagesprogramms suchen – und diese muss bezahlt werden, was für viele Familien wiederum ein nicht tragbarer finanzieller Aufwand darstellen könnte – also habe ich angeboten, den Kids am Samstag so einen Nachhilfeunterricht anzubieten. Das wurde vom Team positiv aufgefasst. Beni hat sich dann auch bereit erklärt, am Samstagmorgen ein paar Stunden mit diesen Kids zu arbeiten. Und Alba und Paul hätten es wohl sowieso getan. So hatten wir alle vier einen Schüler zu unterrichten.

Ich habe mit Klever gearbeitet. Er ist 13-jährig und stammt aus einer indigenen Familie. Das Problem bei diesem Jungen liegt darin, dass Jungs bei den indigenas ab ca. 14 Jahren als erwachsen gelten. Sie können dann arbeiten, Geld verdienen, eine Familie gründen etc. und viele interessiert ab diesem Alter auch nichts anderes mehr als das. Von der Familie bekommen sie sowieso keine Unterstützung mehr – wozu soll ja dieser Junge auch noch länger in die Schule gehen, wenn er doch wie die ganzen anderen Familienmitglieder seit Generationen Maurer werden kann … Es fehlt ihm an einem Lebensplan – einer Perspektive. Er braucht etwas, das ihn motiviert, zu lernen, zur Schule zu gehen … Ich habe ihn dann gefragt, was er werden möchte, worauf er sofort antwortete, er sei gut in Mathe und würde gerne Ingenieurwissenschaften studieren – das hat mich ziemlich beeindruckt.

Damit dieser Wunsch jedoch jemals Realität werden kann, muss er sich in den anderen Fächern stark verbessern – wie ich während der Arbeit mit ihm bemerkte, braucht er dringend einen Crashkurs in Englisch, um auf den Stand seiner Stufe zu kommen.

 

Am Nachmittag wurden Beni und ich von Marco zum Schweizer-Jass-Turnier eingeladen. Ein paar Ausland-Schweizer, die nun alle in Quito wohnhaft sind, haben den Club Suizo gegründet und treffen sich nun mindestens einmal im Monat, um zu jassen. Voll super, dass wir auch eingeladen wurden. Ich war zwar im Vorfeld ziemlich nervös, da ich ja noch nicht so oft gejasst habe und auch viele Regeln nicht kenne. Beni hat mir dann noch einen Crashkurs gegeben und mir die wichtigsten Regeln erklärt – und dann konnte das Turnier beginnen. Dabei waren – neben uns und Marco – ein Schweizer mit seiner ecuadorianischen Ehefrau, ein Schweizer Ehepaar und eine Ecuadorianerin – ich vermute mit einem Schweizer verheiratet, der aber nicht kommen konnte. Es gab ein tolles Buffet mit Chips, Kuchen, Sandwiches, Drinks, Bier, Wein … Wir haben ein „Coiffeur“ gespielt und geplaudert. Ein super gemütlicher Nachmittag.

 

Dann sind wir los, um das Konzert von Antonio, unserem Nachbar und guten Freund von Beni zu hören. Zuerst dachte ich, es würden nur Beni und Gisela, die Frau von Antonio, gehen. Schlussendlich waren beim Treffpunkt aber noch Alba, Paul und seine Verlobte, und noch andere Freunde von ihnen.

Mit Bus und Taxi erreichten wir die Rocker-Bar – die erste Band war schrecklich – so ein Heavy Metal-Rock-Gemisch, viel zu laut, der Sänger schreit nur und keine Melodie … Ich Naivchen frage noch, ob es denn hier in Ecuador keine Dezibel-Beschränkung gibt, um die Ohren zu schonen … natürlich nicht …

Antonios Band spielte dann viel besser – ihre eigenen Songs waren gut, aber so richtig ab ging das Publikum, als sie die Illegales gecovert haben. Leider ist Rock dennoch nicht unbedingt Tanzmusik und die Chicas wollten nun mal tanzen – also sind wir in die Discoteca. Mittelmässig muss ich sagen … aber tanzen konnten wir. Natürlich tanzen die hier zu allem einfach Salsa … ich bin mir ziemlich dumm vorgekommen, erstens waren wir in einem typisch einheimischen Quartier, wo Ausländer oder Touristen grundsätzlich nie einen Fuss hinein setzen, das heisst, ich – blond, gross, hellhäutig und blauäugig – bin (mal wieder) ziemlich aufgefallen. Die typische Gringa. Das haben mir die Blicke von allen klar und deutlich gesagt. Zudem kann ich nicht Salsa tanzen …! Que p*** verguenza! Ich habe mich so gut wie möglich zur Musik bewegt (wohl zum Schrecken von allen, die mir zugesehen haben). Alle anderen um mich herum halbe Salsa-Profis. Aus Mitleid hat Alba wahrscheinlich M „gezwungen“, mir ein paar Schritte beizubringen – der Arme – dem war das auch mehr als peinlich … Naja nach knapp einer Stunde wurde ich von der Peinlichkeit erlöst und wir gingen einen Burger essen. Danach nochmals in die Bar – wo einige unserer Truppe noch immer waren.

Ah was noch lustig ist – wie die Ecuadorianer trinken – die bestellen 3 L Bier und ein Glas. Dann gibt es einen „Einschenker“ – diese Person füllt dann in das Glas immer so ca. 3 Schlucke und gibt das Glas jemandem – dieser trinkt den Inhalt auf Ex, das Glas geht zurück zum Einschenker und der nächste kommt dran … so läuft das der ganze Abend. Haha.

In der Bar haben wir dann noch ein Trinkspiel gemacht und leider Wahrheit oder Tat gespielt … Ich dachte nach der Primar würde ich das nie mehr spielen ;-) Und dann der Höhepunkt des Abends – und das obwohl ich beim Wahrheit oder Tat Spiel einem alten Rocker sagen musste: Que guapo eres (Du bist echt hübsch) und einem anderen den Bart streicheln musste – da ein Taxi 10 Dollars kostete, nahmen wir einfach nur eins, anstatt zwei – für 8 Personen!! Also sassen auf jedem Platz zwei Leute – und das während ca. 15 Minuten. What an experience!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Esti (Freitag, 18 März 2016)

    Hey Stefanie, schön, dass ich immer wieder nachlesen kann was bei dir grad so läuft und wie's dir geht. Freue mich auf viele weitere Geschichten. E liebe Grüess üs der Heimat, Munz...

  • #2

    Viviane (Dienstag, 22 März 2016 08:15)

    Das heisst alle trinken aus dem gleichen Glas? : /