Was, wenn das Spielgeld echt wäre?

 

Was würdet ihr euch mit dem Geld kaufen, wenn es echt wäre? Alex: Comida!! (Essen) Osc: Ropa, un pantalon, un saco, zapatos!! (Kleider, neue Hosen, ein Pulli und Schuhe) Bedrückend – irgendwie habe ich nicht so eine Antwort erwartet. In der Schweiz würden Kinder in diesem Alter sagen: ein Pferd, eine Fussballmannschaft, eine Playstation, ein Elefant … und die Kinder hier wünschen sich Kleider und Essen … Bei uns wünschen sie sich schon fast irreale Sachen, da sie ja alles, was sie wollen und brauchen, schon haben. Es ist traurige Realität, dass sich ein Kind hier nichts mehr wünscht, als etwas Feines zu essen oder ein paar neue Schuhe, die vor ihm nicht schon 10 Kinder getragen haben …

 

Kaum betritt man am Morgen den Raum, erklingen zahlreiche flehende „ayuuuudaaameee, a mi, a mi primero, esteeefiiii, ayuuudameee“ (hiiilf mir, mir, zuerst mir, stef, hiilf mir!). In diesem Moment können die Kinder nichts mehr selber, sogar abschreiben ist ihnen dann zu schwierig und sie wollen, dass ich mich neben sie sitze, um zu „helfen“ – im Grunde brauchen viele gar keine Hilfe, sie wollen nur, dass man bei ihnen ist. Leider ist die Zeit immer viel zu schnell vorbei und man kann gar nicht bei allen mal sitzen. Die Kids die auffälliger und lauter sind, und ständig schreien: ayuuuudamee – kriegen im Endeffekt viel mehr Aufmerksamkeit als die stillen, schüchternen, die sich nur selten melden – und wenn sie sich mal melden, gehen sie wahrscheinlich noch unter oder werden vergessen. Der kleine Deiv kommt zum Beispiel immer mit seinen Hausaufgaben, zögert nicht lange, setzt sich mir auf den Schoss, lehnt sich an, spielt mit meinen Haaren – bis ich alles korrigiert habe und dann will er am liebsten nicht mehr an seinen Platz gehen – oft muss ich ihn dann bis zum Platz begleiten – selbstverständlich an der Hand ;-)

 

Heute habe ich zum ersten Mal am Morgen die Englischstunden von Beni übernommen. Ich hatte 4 Gruppen, jeweils für 15–20 Minuten. Mit der letzten Gruppe war es ziemlich cool. Zuerst machten wir ein einfaches Spiel. Da ich aber bald merkte, dass das für sie zu einfach ist, habe ich mir auf die Schnelle überlegt, ihnen einfach Fragen zu stellen; Where are you from, How old are you, What are your hobbies, etc. Da waren sie schon deutlich mehr gefordert – am Schluss sollten sie dann mir Fragen stellen – durch die Frage Which is your favourite singer wurde ich zu einem neuen Spiel inspiriert. Ich habe ihnen ein Lied von Passenger auf dem Handy vorgespielt und sie mussten auf einem Zettel alle Begriffe notieren, die sie verstehen konnten – danach haben wir diese übersetzt. Das machte so viel Spass, dass sie gar nicht mehr in die Pause wollten, sondern immer weiter Musik hören und Wörter erraten wollten … das war super!

 

Leer schlucken musste ich, als ich S fragte, wo er wohne und er daraufhin antwortete „en la lucha de los pobres“ – was soviel bedeutet wie das Quartier wo sich die Armen streiten … Mein Gesichtsausdruck hat wohl sofort verraten, wie schockiert ich war, bzw. was ich dachte und er sagte nur, ja, ich weiss, es ist kein schöner Name für einen Ort … Wer nennt schon ein Quartier so? Lucha de los pobres? En serio?

 

Am Nami habe ich versucht mit Osc und Anderson Mathe mit den Einerwürfeln, den Zehnerstäben und den Hunderterplatten zu machen – es war sehr anstrengend, da sie es zu Beginn wirklich nicht verstanden haben … und eigentlich auch am Ende nicht so richtig – das muss ich mit denen wohl noch ein paar Mal machen …

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