Motivation ist das Wichtigste!

Seit ich im Rancho lebe und mit den Kindern arbeite, habe ich mich schon oft gefragt, was für eine Perspektive haben diese Kinder und Jugendlichen überhaupt? Was sind ihre Zukunftsvorstellungen? Was für Träume haben sie und wie sieht die Realität aus? Wer hat nach der obligatorischen Schulzeit überhaupt die Möglichkeit, zu studieren? Oder ist das für die Kids hier finanziell überhaupt gar nicht möglich? Erlernen sie dann einfach einen Beruf? Und was für einen? Wie lange können sie bei den Eltern leben? Was geschieht mit denjenigen, die die Schule abbrechen oder das letzte Schuljahr nicht bestehen?

Die meisten Kinder, mit denen ich arbeite, sind wirklich noch Kinder – also noch klein – und ich vermute, diese machen sich nicht wirklich viele Gedanken darüber, was in 5 Jahren ist … sie wollen einfach spielen und Spass haben. Ich werde sie dennoch aus Interesse in der nächsten Zeit mal fragen, was sie denn werden möchten, wenn sie gross sind. Es gibt aber schon ein paar wenige, die in dem Alter sind, wo sie sich langsam überlegen müssen, welchen Weg sie in Zukunft einschlagen möchten … Ich vermute, diese Kids verdrängen diesen Gedanken noch ein bisschen. Sie können nicht einfach wie ein Durchschnitts-Schweizerkind sagen, so Mami und Papi, ich möchte jetzt ins Kollegium, oder ich möchte Philosophie studieren. Und viele kommen wahrscheinlich auch gar nie auf so eine Idee, da ihnen dazu die Unterstützung fehlt. Die Eltern haben in den meisten Fällen ein tiefes Bildungsniveau und unterstützen dementsprechend ihre Kinder nicht darin, sich weiterhin zu bilden etc.

Deshalb ist es wichtig, dass wir in der Fundación das Thema der Zukunftspläne mit den Kindern besprechen. Sie sollen von uns Unterstützung und Rat erhalten. Eigentlich ist es das Wichtigste, diese Kinder zu motivieren, etwas „Schlaues“ aus sich zu machen. Sie müssen erfahren, was sie alles machen könnten und dann natürlich, wie sie dies erreichen können. Ein Kind muss von sich aus motiviert sein, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Wenn wir erreichen, dass ein Kind Motivation zeigt, ist dies bereits die Hälfte der Arbeit … Mit motivierten Leuten zu arbeiten, ist viel angenehmer und erfolgversprechender …

Es freut mich daher ungemein, dass Klever, mein Privatschüler, am Samstag ziemlich motiviert und gut vorbereitet in meinen Privat-Englischunterricht gekommen ist. Ich glaube und hoffe, dass er verstanden hat, warum Englisch für seine Zukunft wichtig ist. Ich habe ihn mit meinem Mac arbeiten lassen – er sollte Google Translate kennenlernen und benutzen, um verschiedene Mails zu schreiben. Ich glaube allein dadurch, dass er am PC arbeiten durfte, war er umso motivierter. Er konnte etwas Neues kennenlernen und zudem Englisch üben. Während er „nützliche“ Englischaufgaben erledigte, habe ich seine „non-sense“ Hausaufgaben von der Schule gemacht. Anstatt wirklich englisch zu lernen, Voca zu büffeln, oder die Sprache durch Vertextung zu benutzen, müssen sie so eine Art Karteikarten basteln, mit dem englischen Begriff auf einer Seite und auf der anderen Seite ein Bild. D. h. anstatt Englisch zu lernen, suchen die Kids stundenlang nach Bildchen, die passen, um sie auf die Karteikarten zu kleben … Copiar, cortar y pegar (abschreiben/kopieren, ausschneiden und kleben) machen sowieso 90 % der Hausaufgaben aus … äusserst lehrreich …

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