Warum kehrt die Virgen dem Süden der Stadt den Rücken?


Quitos Altstadt wird nicht umsonst die schönste Altstadt Südamerikas genannt … Ausgehend von der wunderschönen Calle la Ronda erreicht man auf einem gemütlichen Spaziergang zu Fuss viele schöne Plätze, Kirchen, Gebäude … Ein Blick in die Schaufenster und man meint man könne seinen Augen nicht mehr trauen … in einem Land wo der Mindestlohn bei ca. 300 Dollar im Monat liegt, verkaufen die doch nicht tatsächlich Föhns für 60 Dollars und Schuhe für über 100 Dollar … Was für eine Welt ist das? Wer kann sich hier solche Dinge leisten?

 

Es war sehr interessant, mit Alba, Marco und ihren Töchtern durch die Gassen von Quito zu spazieren – sie konnten viele interessante Fakten erzählen – wo früher eine gefährliche Strasse war, wo in Zukunft die Metro fahren wird, worauf man achten muss, was für Mythen hinter gewissen Gebäuden stecken und vieles mehr … Zur Iglesia de San Francisco heisst es beispielsweise, dass der Architekt, um pünktlich mit dem Bau fertig zu werden, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist – seine Seele für die pünktliche Fertigstellung der Kirche. Der clevere Architekt hat den Teufel überlistet, indem er an einer Stelle einen Stein absichtlich nicht gelegt hat. So war die Kirche zum abgemachten Zeitpunkt eben nicht ganz fertig und er konnte seine Seele behalten …

 

Gegen Abend wurden wir dann noch zur Virgen de Quito chauffiert … Es heisst, dass die spanischen Besetzer mitten in Quito einen künstlichen Hügel errichten liessen, um durch die Sicht über ganz Quito die Stadt besser unter Kontrolle zu haben. Auf diesem Hügel (El Panecillo) befindet sich die Statue der Virgen, die nach Norden blickt und dem Süden der Stadt ihren Rücken kehrt. Der Süden ist klar der arme Teil von Quito … von den Blicken der Virgen ignoriert … Die Aussicht über die Stadt ist von diesem Punkt aus wirklich mehr als überwältigend … es ist eine gigantische Stadt, die sich unglaublich in die Länge zieht. Einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt die Lage zwischen Hügeln und Tälern …

 

Der aktuelle Alcalde von Quito möchte Quito zur "farbigen Stadt" machen – alles soll also farbig angemalt werden … Häuser, Absperrungen, Geländer, Abfallsäcke, … einfach alles … die Bewohnerinnen und Bewohner von Quito machen sich darüber ein bisschen lustig =) man kann ja schliesslich mit allem übertreiben …


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