Was tun, damit Kinder nicht mehr zur Strafe in einem eiskalten Wasserkübel ausharren müssen?


Die gebräuchlichste Erziehungsmethode hier im Barrio ist Gewalt. Die Kinder werden geschlagen, wenn sie nicht gehorchen, sie werden geschlagen, wenn sie schlechte Noten haben, wenn sie die Hausaufgaben nicht machen (sei es aus Faulheit oder weil sie es nicht verstehen), sie werden geschlagen, wenn sie zu laut sind, wenn sie aufgedreht und wild sind und sie werden geschlagen, einfach so … Bei einigen Kindern kann man wirklich schon von Misshandlung sprechen. Viele der Kinder wachsen also in einem extrem gewalttätigen Umfeld auf. Was mich wirklich erstaunt, ist, dass ich das während der Arbeit mit ihnen niemals bemerken würde. Sie kommen fröhlich und munter in die Fundación, sie lachen und spielen und meistens gehorchen sie (obwohl ja – offensichtlich – keine Gewalt angedroht wird).

Nur selten rutscht ihnen eine Bemerkung heraus … wie wenn zum Beispiel einer zu seinem Cousin sagt: Mach nur weiter so blöd, dann wirst du daheim wieder verprügelt wie gestern …

Es ist mir unerklärlich, wieso die Eltern sich nicht eine andere Strafe oder Erziehungsmethode ausdenken können, als ihre Kinder einfach abzuschlagen … Es ist halt die einfachste Methode. Um ein Kind anders zu bestrafen, müsste man sich ja noch die Mühe machen, sich eine sinnvolle Strafe auszudenken und diese dann umzusetzen etc. Natürlich ist es viel einfacher, eine Ohrfeige auszuteilen …

Wirklich erschüttert war ich letzte Woche, als ein Kleiner am Morgen zu mir kam und mich umarmte, er fühlte sich eiskalt an und zitterte am ganzen Körper. Ich fragte ihn natürlich, was ihm um Himmels Willen passiert sei. Da erzählte er mir, dass er daheim nicht gehorcht habe und seine Mama ihn zur Strafe – am Morgen in aller Frühe – vor dem Haus in einen Kübel mit eiskaltem Wasser setzte und er dort ausharren musste … Es soll nur zusätzlich nochmals erwähnt werden, dass hier keine sommerlichen Temperaturen herrschen und ich mit zwei paar Leggins und einem dicken Pulli unter 5 Wolldecken schlafe … Wie kann man sein Kind nur so quälen? Und es bringt mich fast zur Verzweiflung, dass man dagegen praktisch nichts unternehmen kann … natürlich, man kann versuchen mit der Mutter zu sprechen, oder eine Anzeige machen … Aber wenn man eine Anzeige macht, müsste man ja noch Beweise haben, zudem müsste das Kind das auch zugeben und bestätigen … Und es ist wohl selbsterklärend, dass ein Kind in so einer Situation Angst hat und niemals etwas gegen seine Eltern sagen würde. Zudem, wo sollte das Kind dann hin? In ein Kinderheim? Ob es ihm da besser geht?!

Ich – aus einem naiven Blickwinkel – denke, dass man nicht aufhören darf, mit den Eltern zu sprechen und sie versuchen zur Vernunft zu bringen, ihnen alternative Möglichkeiten aufzuzeigen …

 

Was die Fundación Pro Minadores de Sueños macht, ist genau diesem Problem entgegenzuwirken. Man kann die Kinder nicht einfach aus der Familie nehmen und man kann die Eltern nicht von heute auf morgen zur Vernunft bringen. Was man machen kann, ist, den Kindern einen sicheren Ort zu bieten, wo sie sich zurückziehen können, wo sie sich jemandem anvertrauen können, wo sie sehen, wie man auch zum Gehorchen gebracht werden kann, ohne geschlagen zu werden. Einen Ort wo ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird, wo sie sorgenfrei spielen und vor allem lernen können.

Durch die Fundación wird viel Konfliktpotential aus den Familien genommen. Die Kinder machen unter Aufsicht die Hausaufgaben – und sie machen sie richtig, da jemand da ist, der sie ihnen mit Geduld erklären kann, es wird mit ihnen gelernt und sie machen gute Noten in der Schule. Die Eltern haben also keinen Grund, sie wegen schlechter Noten oder nicht gemachter Hausaufgaben zu verprügeln. Zudem verbringen sie weniger Zeit alleine zuhause, wodurch sie weniger Zeit und Gelegenheit haben, unbeaufsichtigt auf blöde Ideen zu kommen, wofür sie später wieder verprügelt würden (je nachdem was sie anstellen …).

 

Ich denke also, wer diesen Kindern und Familien helfen will, sollte unbedingt die Fundación und somit ihre wertvolle und unbezahlbare Arbeit für die Kinder des Viertels, unterstützen. Die Fundación ist eine Non-Profit-Organisation und auf Spenden angewiesen. Da ich Vorort arbeite und im Barrio lebe, kann ich versichern, dass die Hilfe hier wirklich ankommt. Sie ist notwendig und unglaublich wertvoll. Viele Kinder werden nur dank der Unterstützung durch die Fundación, dass sie an diesen Ort kommen können, etwas Gesundes zu Essen, Aufmerksamkeit und Hilfe kriegen, eines Tages ein besseres Leben führen können. Es verbessern sich ihre Zukunftsaussichten, aber auch ihr Kinderdasein wird durch die Fundación um einiges besser …

 

Check it out: http://www.prominadoresdesuenos.org/unterstuetzung/

 

 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Rosmarie (Sonntag, 03 April 2016 06:07)

    Machen wir!