El lobo y los siete cabritillos …

El lobo llamó a la puerta de la casa de los cabritillos simulando de ser la mama“, liest mir Klever aus „Der böse Wolf und die sieben Geisslein“ laut vor – da er beim Schreiben ziemlich viele Fehler macht, habe ich gedacht, jeden Tag ein bisschen mit ihm zu lesen, um seine Schreibfähigkeiten zu verbessern. Viele der Kinder sind mit den Hausaufgaben und Refuerzos (Zusatzaufgaben) fertig, einige spielen schon draussen, aber viele die noch im Zimmer sind, werden durch das laute Vorlesen auf das Märchen aufmerksam. Es geht nicht lange und da sitzen die beiden Kleinsten, Deiv und Seb, schon auf meinem Schoss. „Otra vez, Otra vez!“ (Noch mal von Anfang an!) flehen sie mich an – sie wollen die ganze Geschichte hören – und ich soll vorlesen. Plötzlich sitzen auch Kevin und sein älterer Bruder dicht neben mir, sowie der andere Kevin, Mike, S, und der andere Sebas ;-)

Und ich beginne vorzulesen … ich musste gerade ein bisschen in die Geschichte finden, aber dann plötzlich – ermutigt von den begeisterten Kinderaugen – verlor ich alle Hemmungen und versuchte die Stimme so gut wie möglich zu verändern, je nachdem ob der Wolf oder ein Geisslein spricht – ich glaube, ich machte sogar Grimassen ;-) Die Kids waren begeistert und sie machten keinen Mucks mehr (für den ziemlich quirligen und aufgedrehten Deiv zum Beispiel, der kaum 2 Minuten still an seinem Platz sitzen kann, ist das schon ganz etwas Spezielles). Ich war so erstaunt, dass sogar die grösseren bis zum Schluss zuhören wollten. Irgendwann in der Mitte der Geschichte meldete sich plötzlich Kevin, er wolle auch mal versuchen, so vorzulesen. Und dann lasen wir den Rest des Märchens zusammen – immer wenn der Sprecher wechselte, wechselte auch der Vorlesende – das war wirklich kuul.

Als der Wolf dann jämmerlich in den Brunnen gefallen und gestorben ist, seufzte der kleine Sebastian leise und meinte zu mir: das war jetzt schön, ihm hätte noch nie jemand eine Geschichte vorgelesen …

Wieder mal ein riesiger Unterschied zwischen den Kindern, die ich in der Schweiz kennen und den Kleinen hier. Vorlesen gehörte für mich als kleines Mädchen vor dem Einschlafen einfach dazu. Und auch meine kleinen Neffen und Nichten lieben Bücher, Vorlesen, und Geschichten hören … ich glaube, das mag doch jedes Kind. Ich bin überzeugt, dass viele Kinder Bücher (abgesehen von Schulbüchern) also Bilderbücher nur aus der Fundación kennen und daheim so etwas nicht haben … Natürlich auch verständlich, wenn man entscheiden muss, ob man die 5 Dollar für essen oder für ein Bilderbuch ausgibt, fällt hier die Entscheidung wohl leicht.

Nach dem bösen Wolf und den sieben Geisslein musste ich ein paar anderen Kindern noch die Hausaufgaben korrigieren, und als ich nach ca. 10 Minuten wieder „frei“ war, kam Kevin mit dem Märchenbuch schnurstracks auf mich zu und bat mich darum, ihm nochmals eine Geschichte vorzulesen, die Geschichte vom mutigen Juan. Kevin ist nicht etwa ein kleiner Junge, er ist 10 Jahre alt und normalerweise kann er es kaum erwarten, nach draussen in die Pause zu gehen, um Volleyball oder Fussball zu spielen. Das Vorlesen muss ihm wirklich gefallen haben – natürlich las ich ihm noch das kurze Märchen vor und zum Schluss meinte er: „y mañana La Caperucita Roja“ (Und morgen Rotkäppchen) …

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Kommentare: 3
  • #1

    celine (Mittwoch, 30 März 2016 22:48)

    sprachlos!!!

  • #2

    Rosmarie (Sonntag, 03 April 2016 06:04)

    Geschichten vorlesen ist wie Film schauen, nur besser

  • #3

    vali (Montag, 04 April 2016 02:12)

    <3