Das grösste Problem vieler Kinder sind ihre Eltern …

Wochenlang übte ich mit L schriftliche Divisionen … der Arme, und ich Arme … Wir begannen sogar darüber Witze zu machen. So wurde es fast zu einem Ritual, dass er kam und mir zurief „Estefi, hoy me toca hacer 20 divisiones“ und ich verzweifelt „oh, nooo“ rief, woraufhin er immer lachen musste und sich dann korrigierte, „no hoy solo 10“ und ich dann einen geschauspielten erleichterten Seufzer von mir gab. Wir hatten es wirklich gut zusammen und er machte grosse Fortschritte beim dividieren. Zu Beginn musste ich jeden Schritt mit ihm machen und gegen Ende machte er die Divisionen fehlerlos selber. Wir freuten uns beide schon auf das nächste Thema in Mathe, da wir die Divisionen nicht mehr sehen konnten. Und dann kam er nicht mehr … Nach drei Tagen hintereinander wo er nicht mehr in der Fundación erschien, fragte ich mal seine Cousine, was denn daheim los sei, warum L nicht mehr komme. Sie wisse auch nicht. Alba versuchte die Mama zu erreichen, um nachzufragen, was denn los sei – keine Antwort.

Ich habe mir schon gedacht, dass der Arme zuhause wahrscheinlich verprügelt wurde und man ihn nicht mit einem blauen Auge in die Fundación schicken wollte, da die Eltern dann sicher Probleme kriegen würden.

Nach einer Woche dann endlich ein Lebenszeichen. Unsere Sozialarbeiterin hat die Mama erreicht, die erklärt hat, dass L nun nicht mehr komme. Er brauche keine Hilfe mehr bei den Hausaufgaben und die Schwiegermutter hätte nun Zeit, auf den Jungen aufzupassen, während die Mutter arbeitet. Also würde sie ihn nicht mehr in die Fundación schicken. Irgendwie hat das alles auch noch mit einem neuen Freund der Mutter zu tun … Jedenfalls reisst sie den Jungen – ohne über die Konsequenzen nachzudenken – von heute auf morgen aus seinem gewohnten Umfeld. Zweifellos braucht der Junge die Unterstützung bei den Hausaufgaben und die Zeit, um mit den anderen Kindern zu spielen. Als er gerade neu in der Fundación war, war sein Level unterirdisch. Er konnte nichts selber machen, hatte in allen Fächern Probleme – das liegt auch daran, dass er an einer ziemlich schlechten Schule ist. Obwohl Alba der Mama mehrmals gesagt hat, den Jungen in eine andere Schule zu schicken, hält sie das offensichtlich nicht für nötig. Durch die Vertiefungsübungen im Refuerzo hat er sich stark verbessert, aber es wäre noch viel Arbeit nötig, um ihn auf einen guten, stabilen Weg zu bringen … Entschieden hat die Mutter aus einer Laune heraus und der einzige Leidtragende ist der Junge.

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